Gesundheitsreform

Dass sich die Gesundheitsreform der Regierung als Rohrkrepierer herausgestellt hat, dürfte langsam durchgedrungen sein.

Statt vieler zaghafter Reförmchen hätte es eine grundlegende Änderung in der Gesundheitswirtschaft geben müssen.

Stellen wir mal fest: Das in unserem Land herrschende Solidaritätsprinzip passt nicht zur Gewinnmaximierung der Konzerne, die am Gesundheitswesen bestens verdienen.

Ein vernünftiges Gesundheitswesen muss zum einen auf Kostendeckung ausgerichtet sein und zum anderen am Bedarf der Patienten, nichts anderes.

Wenn es aber Anbieter und damit meine ich Pharma- und Klinikkonzerne gibt, die sich im deutschen Gesundheitswesen dumm und dämlich verdienen, dann kann etwas nicht stimmen. Den Ärzten ist man mit dem Geldscheffeln langsam beigekommen, obwohl ich jedem Hausarzt, der nachts zwei- bis dreimal für seine Patienten aufsteht und auf Hausbesuch fährt, ein wirklich ordentliches Geld von Herzen gönne. ABER: Nicht jeder Zahnarzt muss nach zwei Jahren Praxiszeit eine Villa und einen Porsche besitzen!

Ärzte haben eine lange, harte Studienzeit hinter sich, sie dürfen ordentlich verdienen, das ist ihr gutes Recht. Und die meisten leisten auch Entsprechendes, v. a. in den Kliniken, wo auch heute noch 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen an der Tagesordnung sind, Arbeitszeitgesetz hin oder her.

Mein Prinzip wäre ein Prinzip der Kostendeckung inclusive einer Pauschale für Investitionen und Forschung. Das muss von der Solidaritätsgemeinschaft der Versicherten geleistet werden.

Nicht geleistet werden müssen  jedoch, die verkrusteten Strukturen im öffentlichen Gesundheitswesen, die viel zu langsam aufbrechen, die Gewinne der Pharmakonzerne, bei denen Medikamente in Deutschland ein Wesentliches mehr kosten, als im Ausland und die Bereicherung der Klinikkonzerne, die ihre Gewinne in erster Linie auf dem Rücken des Personals machen.

Es sollte ein neuer Anfang gemacht werden. Wie?

Große Frage. Privatisierung ist nicht die seligmachende Lösung, weil dabei viel zu viel Geld aus dem Topf in Kanäle abfließt, für die die Versichterten nicht zuständig sind.

Verstaatlichung? Kann unser Staat das leisten? Vielleicht, aber dann nur mit einer grundlegenden Reform, die viel Zeit und viele Wählerstimmen kosten wird und der sich Heerscharen von Lobbyisten entgegenstellen werden.

Kombination? Vielleicht. Und zwar zum einen Teil Privat, für alle Leistungen, die über die Grundversorgung hinausgehen und dann zwar für bare Münze, ausserhalb der Solidargemeinschaft.

Letzteres wäre die Lösung, die ich am Vernünftigsten finden würde.

Also im Klartext: Private Zusatzversicherung für Sonderleistungen, wie Chefarztbehandlung und Einbettzimmer, für Sportverletzungen , die über das Normale hinausgehen, wie z. B. bei Risikosportarten, Zuschläge für Risikopatienten, wie Alkoholiker, Raucher oder auch Dicke, die unbelehrbar und uneinsichtig sind, natürlich müssten dazu entsprechende Gesundheitsprogramme angeboten werden. Diese Menschen darf man mit ihrem Problem nicht allein lassen.

Dafür dürfte meinetwegen gerne eine Sondersteuer auf Alkohol, Tabak, Süßigkeiten und Fastfood erhoben werden.

Es wäre auch sinnvoll, den Gesundheitsstatus jedes Einzelnen von Jugend an zu erfassen und mit entsprechenden Punktwerten auf den Beitrag umzulegen,  wobei jedoch angeborene und chronische Erkrankungen auf keinen Fall mit in die Bewertung einfließen dürften, sondern von vorneherein vom Solidaritätsprinzip abgedeckt werden müssten.

Ich bin gespannt, wer weitere Vorschläge machen könnte. Eine Diskussion darüber wäre echt toll.

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4 Kommentare

  1. März 29, 2009 um 10:17 am

    Wetterhexe, klasse !!!

    Dein Konzept unterschreibe ich zu 100 %. Es entspricht Sachkunde, gesundem Menschenverstand und – das finde ich am besten – es nimmt den einzelnen in die Verantwortung für seine Gesundheit etwas zu tun. Macht er das nicht, so ist ihm dies freigestellt, er muß halt nur mehr in die Solidarkasse dafür einbezahlen. Genau richtig.

    Die Frage ist nur, wie läßt sich Deine absolut richtige Lösung umsetzen? Unglaublich viele Interessengruppen haben sich einbetoniert. Unsere Politiker denken, wenn sie überhaupt noch denken, nur bis zur nächsten Wahl. CDU und SPD blockieren sich gegenseitig. Die Bevölkerung verabschiedet sich von der Demokratie und geht kaum noch wählen.

    Leider finden gute Konzepte mit gesundem Menschenverstand keine Verwirklichung mehr in der Politik. Die Privatpatienten und ihre Kassen haben ihre Lobbyisten und die „ganz kleinen Leute“, also die Unterschicht, hat auch ihre Lobbyisten (SED-Nachfolgepartei).

    Nur Du und ich mit unserem normalen Durchschnittsleben und unserem normalen Menschenverstand: wen sollen wir noch wählen??? Wer vertritt noch unsere Interessen? Ulla Schmidt bewegt sich konsequent in den Sozialismus hinein. Bleiben CDU und FDP. Möge hoffentlich die nächste Bundestagswahl eine große Mehrheit für diese Koalition ergeben. Das ist eine letzte schwache Hoffnung, die ich habe.

    LG Freidenkerzone

    PS: es ist immer wieder schön, hochwertige Beiträge von Dir zu lesen. Wenn mich nicht alles täuscht, werden diese Beiträge auch von Jahr zu Jahr immer besser. Mehr Menschen wie Du in der Politik und vieles würde sich zum besseren wenden.

  2. Wetterhexe said,

    März 29, 2009 um 1:59 pm

    Hi Freidenker,
    boah, danke fürs Kompliment.

    Ich glaube nicht, dass FDP und CDU die Lösung sind.
    Im Gegenteil, davon erwarte ich mir noch weniger vernünftige Ergebnisse, als von der großen Koalition, die sich jetzt schon vom Regieren verabschiedet hat und nur noch im Wahlkampf alles und jeden blockiert.

    Meine Aussichten, dass sich irgendeine Partei der Probleme annehmen könnte, sind trübe. Viel zu sehr sind sie alle in der Wirtschaft verstrickt.
    Lobbyisten, wohin das Auge reicht. Denen traue ich nicht mehr. Die alle haben uns erst in dieses Schlammassel hineingeritten, mit ihren Ja-Stimmen in Vorständen und Aufsichtsräten, zu all der Abzockerei, die uns jetzt Lebensqualität und Arbeitsplätze kosten werden. Da nehme ich keine Partei aus.

    Momentan sehe ich einfach politisch kein Land, nach dem ich mich orientieren möchte. Deshalb wäre ich eher zu dem Risiko bereit, völlig andere Wege zu gehen. Z. B. mit Rot-Rot-Grün. Mein Herz schläft nun mal links, das weißt du ja.

    Wenn wir schon dabei sind, die Menschen in die Pflicht zu nehmen, dann darf das aber bitte nicht nur „unten“ passieren, sondern muss auch die Oberschichten und v. a. die Verantwortlichen in der Wirtschaft betreffen.
    Auch sie gehören eingebunden ins System. Damit wären wir logischerweise bei der Bürgerversicherung angelangt, in die jeder einen bestimmten Prozentsatz von seinem Einkommen einzuzalen hätte. Dies in Kombination mit bereits genannten Risikozuschlägen, die jeder mit einer vernünftigen Lebensführung selbst beeinflussen könnte, würde wohl auch im Gesundheitswesen mehr Gerechtigkeit schaffen.

    Das ist es, was ich will: Die Gerechtigkeit.
    Ein gerechtes System, das jeden in die Pflicht nimmt und jedem die gleichen Chancen gibt.

    Wer mehr will, muss eben ausserhalb dieses neuen, wirklichen Solidaritätsprinzips dann eben privat draufzahlen.

    Eigentlich erscheint mir das Ganze eher durch und durch sozialistisch.

    Der Kapitalismuns, der weiterhin von den Dir angenehmen Parteien gestützt werden wird, bringt uns sicherlich nicht weiter. Es muss einen völligen Systemwechsel geben. Friedlich aber mit viel, viel gesundem Menschenverstand.

    LG Wetterhexe

  3. Holzmichel said,

    März 30, 2009 um 7:16 pm

    Ich hatte am Samstag hier einen Kommentar gesetzt, der auch angenommen wurde, jetzt aber nicht veröffentlicht wurde.
    Technischer Fehler?
    Gute Nacht und Servus
    Rich

  4. Wetterhexe said,

    März 30, 2009 um 8:27 pm

    @Holzmichel
    Der Kommentar ist offensichtlich nicht angekommen.
    Es gab auch dazu kein Info-Mail.
    Worldpress wird doch nicht anfangen wie Myblog,
    Das vermiest einem die Bloggerei ganz schön.

    LG Wetterhexe


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