Das Ende der Solidartät

Ein übergewichtiger Patient soll erst eine neue Hüfte erhalten, wenn er sein Normalgewicht erreicht hat.

Das heißt in einem Großteil aller Hüftgelenksarthrosen: NIE!

Unser soziales System wird immer perfider. Man hält den Menschen Leistungen vor die Nase, die die wenigsten aber abschließend aus eigener Kraft erreichen werden. Innerhalb kürzester Zeit zehn, zwanzig oder gar dreißig Kilo abzunehmen, ist für die meisten Menschen einfach nicht machbar, zudem, wenn sie durch permanente Schmerzen an der Bewegung gehindert sind.

Dass ein gewisser gesunder Lebensstil sich auch kostensenkend auf die Kassenbeiträge auswirken sollten, das befürworte ich auf alle Fälle, Menschen jedoch Leistungen vorzuenthalten, mit der Maßgabe, sie hätten nicht das entsprechende Gewicht, halte ich für äusserst problematisch. Auch der steigende Konsum von Schmerzmitteln kostet Geld!

Langsam befürchte ich, das in unserem Land eine immer weiter ausufernde Entsolidarisierung stattfindet.

Wer ein Problem hat, ist selbst schuld und soll dieses Problem ja nicht auf Kosten der Allgemeinheit lösen lassen.

Das ist ein ganz schlimme Einstellung! Hier werden Menschen  von vornherein in eine gewisse soziale Ecke gedrängt, aus der sie sich kaum mehr befreien können. Den meisten fehlt nämlich die Kraft und das Know-how, um sich dagegen zu wehren.

Ich bin dafür, eine sinnvolle Grundversorgung zu schaffen, die auf Kosten der Versicherungsbeiträge gewärleistet wird.

Alles andere muss eben privat abgesichert werden, bzw. durch Übernahme einer erhöhten Eigenverantwortung gefördert werden.

Und: Unser Gesundheitssystem muss aus diesem Teufelskreis „Lizenz zum Gelddrucken“ heraus.

Ein solidarisches System darf nicht gewinnorientiert sein, sondern sollte lediglich kostendeckend arbeiten.

Niemand darf durch die Beiträge anderer Menschen zu einem solidarischen System reich werden!

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1 Kommentar

  1. Geschreibsel said,

    Mai 22, 2009 um 8:27 am

    *applaudier*
    Völlig korrekt!!! (zumal grade bei Übergewicht die einfache Formel oft genug nicht funktioniert, denn es gibt viele Störungen und Krankheiten bei denen Übergewicht Nebenprodukt und Symptom ist)

    Wenn wir uns eine Gesellschaft ohne Solidarität leisten wollen, dürfen wir uns nicht wundern. Besonders über „egoistische“ Auswüchs auf allen Seiten, vom HIV-Abzocker über den Mietnomaden bis hin zum Scheinselbständigen oder den Unternehmer der sich rühmt mit der Schaffung von Arbeitsplätzen seine „Pflicht“ für die Gesellschaft erfüllt zu haben. Von Auswüchsen wie Ackermann ganz zu schweigen.

    Ich wunder mich ja seit langem nurmehr darüber, wie geblendet der ach so „mündige“ Bürger sich (aus)halten läßt…

    Schönes Wochenende noch!


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