Staatshilfen

Die Situation ist vertrackt.

Immer mehr Unternehmen schreien nach Staatshilfe.

Ich frage mich, wie es denn kommt, dass man sich auch bei diesen Unternehmen vor der Krise jegliche staatliche Einmischung verboten hat, weil die Marktwirtschaft ja alles von selbst regeln würde? Da hielt man die Fahne der selbstbestimmten Wirtschaft hoch, sozial war out, alle liebäugelten mit der „freien“ Marktwirtschaft, ohne jegliche Steuerung durch den Staat.

Kaum ist der Karren aber weltweit im Dreck, ist es genau diese Steuerung und Stützung durch den Staat, die man jetzt fast auf Knien herbeifleht, die Krokodilstränen Schäffers eingeschlossen, nachdem man Milliarden in all der Gier verzockt hat.

Jetzt geht es plötzlich um den Erhalt von Arbeitsplätzen, die man noch vor ein paar Jahren ohne Wimpernzucken auf dem Altar des Neoliberalismus zwecks Renditesteigerung geopfert hätte. Jetzt entdecken selbst die größten Schweine in den Vorständen, dass man mit dem Argument der Arbeitsplatzerhaltung vielleicht auch den eigenen Arsch retten könnte, obwohl man selber den Karren abgrundtief in den Dreck gefahren hat.

Wenn es nicht um die armen Menschen ginge, die irgendwann ohne Job auf der Straße stehen würden, dann wäre ich wirklich geneigt, zu sagen, dass man jetzt auch die Selbstregulierung des Marktes walten lassen sollte. Was sollen Firmen wie Opel, Karstadt etc. wenn sie keine Existenzberechtigung mehr auf dem Markt haben, mit Steuergeldern künstlich beatmet werden?

Sorry, ich bin für eine finanzielle Euthanasie all jener Unternehmen, die jetzt so laut schreien. Lasst sie abnippeln und lasst Platz für Neues schaffen. Wer am Alten hängt, wird sich nicht bewegen. Nur wer Altes abreißt, wird zu einem Neuanfang kommen.

Helfen würde die weitgehende Staatshilfe den Beschäftigten sowieso wenig. Die fliegen trotzdem, wenn es für einen dieser Konzerne günstiger erscheint, nachdem die obere Etage nochmal den großen Reibach mittels Steuergeldern gemacht hat.

Nö, erst wenn der Vorstand genauso arbeitslos auf der Straße stehen könnte, wie die Verkäuferin oder der Bandarbeiter, wird sich etwas ändern.

Erst dann werden die Unternehmen ihr „soziales “ Gewissen entdecken und umdenken. Vorher dient die ganze Knete doch nur zu einem noch schnelleren Staatsbankrott.

Gescheiter ist es, wenn diese schiefen Unternehmensruinen alle zusammenbrechen und Platz für Neues entsteht.

Vielleicht ist man dann auch so vernünftig und sozial und bindet die Arbeitnehmer  in das gesamte System mit ein. Mit eigener Entscheidungskraft und eigenem Profit, wenn es einem Unternehmen gut geht.

 

Dieses alte, kapitalistische System hat sich überlebt. Ich bin gespannt, ob die Menschen es packen und die daraus entstehenden Chancen nutzen oder ob in ein paar Jahren  genau die gleichen Betonköpfe weitermachen mit einer noch schlimmeren Umverteilung von Unten nach oben. Wir haben es jetzt in der Hand, machen wir was draus. Die Bundestagswahl wird diese Zukunft mitentscheiden.

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1 Kommentar

  1. Holzmichel said,

    Juni 8, 2009 um 4:48 pm

    Ja, so denke ich auch.
    Nur eines verstehe ich nicht ganz:
    Opel mit 30 000 Arbeitern will man retten und Arcancor mit 50 000
    Arbeitern nicht? Warum?
    Der Kopp verlag schreibt, dass GM schon auf die Milliarden von hier wartet.
    http://info.kopp-verlag.de/news/der-grosse-bluff-opel-ist-nicht-gerettet-general-motors-saugt-weiter.html

    Alle wollen also unsere Milliarden.
    Richard


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