An meine Patienten

 Jetzt, da ich anfange, euch zu hassen,

 besieg ich den Abstand, euch anzufassen.

 Widerwillen überhaupt mit euch zu sprechen,

 so wenig zu tun, und ´zu viel zu versprechen.

Ein Später, ein Andrer, vielleicht erst morgen,

 warum denn nur ich, hab andere Sorgen?

 Hab Sorgen, den Tag überhaupt zu überleben,

nicht alles, nicht euch die letzte Kraft zu geben.

Muss an mich halten und muss mich schützen,

 sonst werde ich euch bald nichts mehr nützen.

 So lange schon Dienst, so selten nur Frei.

Den Anderen ist dies einerlei.

Sie sehen es nicht, wie mit letzter Kraft,

 die letzten Stunden man auch noch schafft.

 Sie sehen auch nicht in die anderen Zimmer,

 wo unser Job wird tagtäglich nur schlimmer.

Sie fordern für sich, für ihre Schmerzen,

und sehen uns nicht in die traurigen Herzen.

 Wir stehn an der Front, im grausamen Krieg,

 Wer immer das Geld hat, erringt auch den Sieg.

Es geht doch schon längst nicht mehr nur um Dich,

es geht um Rendite, was bleibt unterm Strich.

 Was bleibt unterm Strich von deinem Erkranken.

Um uns macht sich sowieso keiner Gedanken.

Wir müssen weiterhin nur funktionieren,

mit unserer Kraft die Maschine schmieren.

Die Maschinerie heißt Gesundheitswesen.

Die ist fast tot, wird nie mehr genesen.

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10 Kommentare

  1. Holzmichel said,

    Juli 16, 2009 um 4:10 pm

    Lies hier mal über Afghanistan:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article4131109/Afghanistan-fuer-Isaf-Truppen-so-gefaehrlich-wie-nie.html

    Auch hier mit Deiner Meinung zum Gesundheitswesen gebe ich Dir recht..

    Gruss Richard

  2. Trommlerin said,

    Juli 17, 2009 um 7:52 am

    Deine Postings wirken immer grausamer auf mich.
    Diesen Eindruck können auch deine spirituell angehauchten
    Beiträge nicht neutralisieren- es korrespondiert nicht.

  3. Holzmichel said,

    Juli 17, 2009 um 8:33 am

    Hi Trommlerin,
    soll die Wetterhexe, wie 98 % aller Leute blind durch die Welt laufen.
    Oder wie man in Bayern sagt, mit einem Brett vor dem Hirn, durch die Welt gehen.
    Sie ist sensibel und lebt dies aus.

    Servus Richard

  4. Trommlerin said,

    Juli 17, 2009 um 8:47 am

    Hallo Holzmichel,

    die Missstände im Gesundheitswesen anzuprangern ist in Ordnung. Die Ohnmacht, mit Hass auf die Patienten zu kompensieren, ist es in meine Augen nicht, sonst ist man fehl am Platz.

  5. Holzmichel said,

    Juli 17, 2009 um 8:51 am

    Also ich sehe doch überwiegend, dass sie das Gesundheitssystem anprangert. Natürlich merkt man bei ihr ganz deutlich die Resignation. Diese kommt wiederum vom maroden Gesundheitssystem.
    „Immer höhere Beiträge, immer weniger Leistungen und immer mehr Arbeit durch die Bediensteten“.
    Vielleicht versteht Du sie jetzt etwas besser.
    Sie ist sensibel und sieht halt die Probleme!
    Im Gegensatz zu den anderen Zeitgenossen.

    Servus Richard

  6. Trommlerin said,

    Juli 17, 2009 um 8:56 am

    Sensibel? Aha!
    Arme Patienten …
    Ende

  7. Wetterhexe said,

    Juli 17, 2009 um 7:56 pm

    Ach weißt Du Trommlerin,
    das Gesundheitswesen sieht halt anders aus als in Serien wie „Schwester Stefanie“ und Schwarzwaldklinik.
    Wer als Pflegekraft dazu nicht gefühlsmäßig auf Distanz geht, der wird sehr schnell sein Burn-out erleben. Kalt muss man werden, Ganzheitlichkeit? Das war früher mal, das hab ich auch noch gelernt. Jetzt leisten wir Akkord, schleusen einen Patienten nach dem anderen durch. Nur nichts an sich ranlassen, sonst zerbricht man daran.
    Sorry, so sieht es aus und ich erlebe es täglich live.
    Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie sehr die Pflege unter diesen Mißständen leidet. Wer kann steigt aus, wer nicht kann kündigt innerlich und wer beides nicht macht, geht daran kaputt.

    LG Wetterhexe

  8. Trommlerin said,

    Juli 17, 2009 um 8:35 pm

    Wetterhexe, die TV- Geschichten kann ich nicht beurteilen, ich sehe nicht fern. Doch ich weiß um die Misere in der Pflege. Ich verstehe auch deinen Frust und, dass du gefühlsmäßig auf Distanz gehst, da sehe ich sogar eine Notwendigkeit.

    Doch, dass dein Hass die Schwächsten, die Patienten trifft, verstehe ich nicht. Sie haben die Missstände nicht verursacht und sind doch dem Hass ausgeliefert.

    Durch die Kita-Streiks machen gerade Erzieherinnen und Erzieher auf ihre Missstände aufmerksam. Der Frust trifft die Zuständigen und nicht die Kinder. Wenn sie nun anfangen würden, die Kinder zu hassen?

    Trommlerin

  9. wetterhexe2 said,

    Juli 17, 2009 um 9:04 pm

    Du glaubst immer noch an die barmherzigen Schwestern, oder?
    Was denkst Du, welche Gefühle aus permanenter Überforderung und überzogenem Anspruchsdenken denn entstehen? Sicherlich keine großen Sympathien.
    Dazu kommt noch ein rigides Beschwerdemanagement, das jede Pflegekraft anprangert, nur weil sie nicht ausreichend nett gelächelt hat.
    Dass die Missstände nicht von den Patienten verursacht wurden? Ich bin jetzt 30 Jahre im Geschäft und kenne mich aus. Da gibt es Leute, die jeden Cent, der ihnen irgendwie vage zusteht, noch herauspressen, die ständig fordern und sich beschweren, nur um möglichst alles mitzunehemen, was noch möglich ist.

    Die Differenz zwischen dem, was kosten- und personalmäßig drin ist und dem, was die Leute erwarten, die ist es, die uns das Leben so unsäglich schwer macht.
    Und da entwickle ich schon manchmal ganz böse Gefühle. (Ich bin schließlich keine Heilige!!!)
    Aber sicherlich nicht auf die arme alte Oma, die mal im Bett gedreht werden möchte, weil sie es selber nicht mehr schafft. Und die mir sogar dankbar dafür ist, weil ich mir die paar Minuten dazu stehle. Das sind dann sogar noch Lichtblicke im trüben Alltag, wenn man ein bisschen Dankbarkeit erfährt.

    LG Wetterhexe

  10. Trommlerin said,

    Juli 17, 2009 um 10:56 pm

    Oh je Wetterhexe, wenn das so ist, können wir beide nur hoffen, dass wir niemals Patienten in einem Krankenhaus sein müssen. Da ist tot sein schon wesentlich angenehmer.

    Gruß ~ Trommlerin


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