Robert Enke

Nun, der Mann hat Suizid begangen. Er tat das nach jahrelangen schlimmen Depressionen.

Das ist nun schon über eine Woche her und jetzt sollte die Aufregung sich doch endlich langsam wieder legen.

Wer denkt eigentlich an den Lokführer, vor dessen Zug er sich geworfen hat? Dieser Mann hat  wahrscheinlich ein lebenslanges Trauma. Dem gegenüber hört man nicht das geringste Mitgefühl! Auch hier ist ein Mensch in höchster seelischer Not.

Jeden Tag bringen sich Menschen um, weil sie, ausgelöst durch eine schlimme Krankheit mehr Angst vor dem Leben, als vor dem Tod haben. Sie erliegen einer Krankheit, die furchtbar ist, die ein Leben auf subtile Weise zuerstören kann.

Vielleicht liegt der Sinn in Enkes Tod darin, dass das Thema Depression jetzt endlich in der Mitte der Bevölkerung angekommen ist? Seelische Erkrankungen werden nach wie vor schamhaft verschwiegen. Dabei wird jeder Mensch früher oder später eine oder mehrere depressive Phasen durchmachen.

Die Reaktion auf diese Erkrankung und der allgemeine Umgang mit ihr ist das, was vielen Betroffenen das Leben zusätzlich schwer macht. Die Scham und die Angst vor der Öffentlichkeit war sicherlich Mitverursacher an Enkes Suizid. Bei etwas mehr Akzeptanz hätte er sich bestimmt viel früher in eine intensive Therapie begeben.

Psychische Erkrankungen müssen vom Stigma des „Irreseins“ befreit werden, vielleicht haben dann die Betroffenen wieder mehr Mut zum Leben?

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2 Kommentare

  1. Holzmichel said,

    November 19, 2009 um 4:21 pm

    Die Lokführer sind sicherlich auch Leidträger.
    Ich habe vor einigen Jahren öfters in einer Bahnkantine Mittag gegessen. Da kam ich mit vielen Bahnleuten auch mit Lokführern zusammen um darüber zu diskutieren.
    Sie sagten: Wir sind gut vorbereitet auf solche Fälle. Jeder ist statistisch 2 X in seinem Berufsleben dran mit einem solchen Selbstmord.
    Einer lässt sich krankschreiben der andere arbeitet sofort weiter.
    Ein Ossi sagte mir: Mir ist das egal, ich gebe Gas…….
    Natürlich sind einige dabei die danach traumatisiert sind.
    Stell Dir vor, Du hast einen Verkehrsunfall und da kommt jemand zugrunde. Ob schuld oder nicht schuld…..????
    Eine junge Bekannte von mir hat im Chiemgau in einer Stadt bei einem selbstverschuldeten Verkehrsunfall einen 56 jährigen Mann getötet.
    Heute nach ca. 5 Jahren hat diese Dame alles vergessen!!!!!!
    So wird es auch bei den Lokführern sein, die ja überhaupt nichts dafür können.

    Servus

  2. Holzmichel said,

    November 19, 2009 um 4:22 pm

    Ergänzung noch von mir:
    Strafe fast Null also nicht nennenswert.

    Servus


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